Lohnt sich die ERGO Rente Chance?

Der Tarif ERGO Rente Chance im Prüfstand: Eignet sich diese Rentenversicherung tatsächlich als Baustein für die Altersvorsorge? Mit welcher Auszahlung kann am Ende der Laufzeit realistisch gerechnet werden? Und ist der Vertrag unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten überhaupt sinnvoll? In diesem Beitrag stellen wir unsere Analyse der Vertragskosten sowie unsere Erfahrungen mit diesem Angebot vor.

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Das Wichtigste in Kürze

Die Kosten der ERGO belaufen sich auf 78.464,76 Euro

Die Gesamtbelastung der im Vertrag enthaltenen Kapitalanlage beträgt 307.714,66 Euro

Die Rentenoption rechnet sich erst bei einer Lebenserwartung von über 101 Jahren

Nach einer Vertragslaufzeit von 37 Jahren ergibt sich ein Kaufkraftverlust von 59.736,98 Euro

Eine individuelle Prüfung des jeweiligen Vertrages ist empfehlenswert

Schauen Sie sich das Video an oder lesen Sie den folgenden Blogartikel.

Einleitung in die Vertragsprüfung

Kann ich mich auf die ERGO Rente Chance verlassen?
Mit genau dieser Fragestellung wandte sich ein Kunde an uns und bat um eine unabhängige Prüfung seines persönlichen Vertragsangebots.

Falls Sie sich dieselbe Frage stellen, soll Ihnen dieser Beitrag als Orientierung dienen und die wichtigsten Zusammenhänge verständlich erläutern. Bitte beachten Sie jedoch, dass jedes Angebot auf individuellen Vertragsdaten basiert. Deshalb können die Ergebnisse einer persönlichen Prüfung von den hier dargestellten Werten abweichen.

Ziel dieses Artikels ist keine pauschale Bewertung des Versicherers oder des Tarifs. Vielmehr analysieren wir ausschließlich das uns vorliegende Angebot sachlich, nachvollziehbar und transparent anhand seiner konkreten Vertragsbestandteile.

Bevor wir das Angebot der ERGO Rente Chance im Detail betrachten, lohnt sich zunächst ein Blick auf die wesentlichen Kriterien, die eine langfristig sinnvolle Altersvorsorge auszeichnen:

Rendite:
Eine Altersvorsorge sollte langfristig eine möglichst hohe und zugleich realistisch erzielbare Rendite erwirtschaften.

Kosten:
Alle anfallenden Kosten wirken sich unmittelbar auf die Rendite aus. Deshalb sollten diese möglichst gering gehalten werden.

Weitere renditemindernde Einflussfaktoren:
Neben den offensichtlichen Kosten gibt es – abhängig von der jeweiligen Anlagestrategie – weitere Faktoren, die den Vermögensaufbau negativ beeinflussen können. Diese sollten bei jeder Bewertung berücksichtigt werden.

Steuern:
Steuerliche Gestaltungsmöglichkeiten können den langfristigen Vermögensaufbau erheblich unterstützen und den Zinseszinseffekt verbessern.

Inflation:
Auch die Inflation spielt bei der Altersvorsorge eine entscheidende Rolle. Sie mindert die Kaufkraft des Vermögens und sollte daher bei jeder langfristigen Planung berücksichtigt werden.

Wer diese Punkte von Beginn an in seine Entscheidung einbezieht, schafft eine deutlich bessere Grundlage für einen erfolgreichen Vermögensaufbau im Alter.

Stammdaten der Vertragsprüfung
  • Einmaliger Anlagebetrag: 0 Euro
  • Monatsbeitrag: 400,00 Euro
  • Beitragszahldauer (Jahre): 37
  • Dynamik: 5 %
  • Eintrittsalter: 30
  • Rentenbeginn: 67
  • Summe eingesetztes Kapital: 487.815,07 Euro

Dem geprüften Vertragsangebot ist ein monatlicher Beitrag von 400 Euro ohne anfängliche Einmalzahlung zu entnehmen. Die Laufzeit für die Beitragszahlungen beträgt insgesamt 37 Jahre. Gleichzeitig ist eine jährliche Dynamisierung der Beiträge von fünf Prozent vorgesehen.

Der Versicherungsnehmer startet den Vertrag im Alter von 30 Jahren. Der geplante Rentenbeginn liegt mit 67 Jahren am Ende der Beitragsphase. Unter Berücksichtigung der vereinbarten Dynamik ergibt sich über die gesamte Laufzeit ein investierter Gesamtbetrag von 487.815,07 Euro. Zusätzliche Einzahlungen oder spätere Beitragsanpassungen wurden in dieser Berechnung nicht berücksichtigt.

Um beurteilen zu können, ob sich ein Vertrag wirtschaftlich lohnt, muss zunächst die realistisch zu erwartende Durchschnittsrendite vor Kosten und Steuern ermittelt werden.

Die zukünftige Entwicklung einzelner Aktien oder Fonds lässt sich nicht zuverlässig vorhersagen. Für eine fundierte Bewertung einer Geldanlage ist deshalb entscheidend, welche Anlageklassen hinter dem Produkt stehen und welche langfristigen Renditeerwartungen für diese bestehen.

Besteht eine Kapitalanlage beispielsweise vollständig aus Aktien, orientieren wir uns an der langfristig zu erwartenden durchschnittlichen Marktrendite des weltweiten Aktienmarktes von rund neun Prozent pro Jahr.

Für diese Annahmen stützen wir uns auf wissenschaftliche Studien und anerkannte Kapitalmarktforschung. Die entsprechenden Quellen sind am Ende des Artikels aufgeführt.

Ausgehend von dieser Marktrendite werden anschließend sämtliche Kosten sowie weitere renditemindernde Faktoren berücksichtigt. Erst dadurch lässt sich eine realistische Nettorendite für den Anleger ableiten.

Den Angebotsunterlagen der ERGO Rente Chance ist zu entnehmen, dass sämtliche Beiträge in den Fonds MEAG AktienSelect A investiert werden. Da dieser Fonds nahezu vollständig in Aktien investiert, basiert unsere Berechnung auf einer langfristigen Marktrendite von neun Prozent pro Jahr vor Kosten und Steuern. Im Anschluss werden sämtliche belastenden Kosten- und Einflussfaktoren berücksichtigt, um die voraussichtlich erzielbare Kundenrendite zu bestimmen.

Wer sich näher mit den Grundlagen einer finanzmathematischen Vertragsanalyse beschäftigen möchte, findet am Ende dieses Beitrags einen weiterführenden Artikel zu diesem Thema.

Kosten im Vertrag

Im nächsten Schritt werden sämtliche Kostenarten untersucht, die sich unmittelbar auf die Rendite des Vertrages auswirken. Dazu gehören sowohl die Kosten des Versicherers als auch die Kosten der gewählten Kapitalanlage. Diese werden zu unterschiedlichen Zeitpunkten direkt dem Vertragsguthaben entnommen.

Darüber hinaus sind weitere renditemindernde Einflussfaktoren zu berücksichtigen. Diese stellen zwar keine unmittelbaren Vertragskosten dar, wirken sich jedoch ebenfalls negativ auf die Wertentwicklung und damit auf das investierte Kapital aus.

Zusammenfassung der Kosten:

Kosten der ERGO: 78.464,76 Euro
Kosten der Kapitalanlage: 307.714,66 Euro
(Darin enthalten sind sowohl die Fondskosten als auch die weiteren renditemindernden Einflussfaktoren.)

Die unterschiedlichen Kostenarten des Versicherers während der Beitragsphase lassen sich dem Vertragsangebot entnehmen. Dabei sind insbesondere die folgenden Kostenpositionen zu berücksichtigen:

(Auszug aus dem uns vorgelegten Vertragsangebot der ERGO Rente Chance, in dem wir die recherchierten Kosten in Rot ergänzt haben.)

Alpha-Kosten

Bei den Alpha-Kosten handelt es sich um Abschluss- und Vertriebskosten. Diese werden üblicherweise innerhalb der ersten fünf Vertragsjahre (60 Monate Tilgungszeit) aus dem Vertragsguthaben entnommen. Je nach Vertriebsweg werden diese Beträge häufig ganz oder überwiegend als Provision an den jeweiligen Vermittler ausgezahlt.

Grundlage für die Berechnung ist die sogenannte Bewertungssumme. Diese ergibt sich aus dem Jahresbeitrag multipliziert mit der Anzahl der Beitragsjahre. Gegebenenfalls werden zusätzlich vereinbarte Einmalzahlungen berücksichtigt. Viele Versicherer begrenzen die anrechenbare Laufzeit dabei auf 30 bis 50 Jahre.

Beitragserhöhungen durch Dynamiken oder spätere Anpassungen führen zu einer höheren Bewertungssumme. Für jede Erhöhung wird erneut unterstellt, dass der zusätzliche Beitrag bis zum Ende der Beitragsdauer gezahlt wird. Dadurch entstehen auf den Erhöhungsbetrag erneut Abschluss- und Vertriebskosten.

Auch spätere Zuzahlungen lösen in der Regel weitere Alpha-Kosten aus, vergleichbar mit einer zusätzlichen Einmalanlage.

Wird der Vertrag innerhalb der Tilgungsphase reduziert oder beitragsfrei gestellt, entfallen lediglich die noch nicht berechneten Abschlusskosten. Bereits belastete Kosten werden hingegen nicht erstattet. Nach Ablauf der Tilgungszeit sind sämtliche Abschlusskosten vollständig berechnet.

Im geprüften Vertragsangebot der ERGO Rente Chance ergibt sich eine Bewertungssumme von 433.537,48 Euro (begrenzt auf 35 Jahre) sowie ein Alpha-Kostensatz von 2,5 Prozent.

Berechnung:

400 Euro × 12 Monate = 4.800 Euro Jahresbeitrag
4.800 Euro × 35 Jahre = 168.000 Euro
168.000 Euro × 2,5 % = 4.200 Euro Alpha-Kosten

Zusätzliche Alpha-Kosten durch die vereinbarte Dynamik:

(433.537,48 Euro − 168.000 Euro) × 2,5 %
= 6.638,44 Euro

Gesamte Alpha-Kosten:

10.838,44 Euro

(Ohne Berücksichtigung zukünftiger Beitragsänderungen oder zusätzlicher Einzahlungen.)

Beta-Kosten

Beta-Kosten gehören zu den Verwaltungskosten eines Versicherungsvertrages. Sie werden unmittelbar nach jeder Beitragszahlung vom Vertragsguthaben abgezogen und richten sich prozentual nach der Höhe des jeweiligen Beitrags.

Viele Versicherer unterscheiden hierbei zwischen laufenden Beiträgen, Einmalzahlungen und späteren Zuzahlungen. Teilweise kommen zudem Staffelmodelle zum Einsatz, wodurch sich die prozentuale Belastung im Verlauf der Vertragslaufzeit verändern kann.

Werden Beiträge reduziert oder der Vertrag beitragsfrei gestellt, sinken die Beta-Kosten zwar grundsätzlich ebenfalls. Nachteilig kann jedoch sein, dass insbesondere zu Beginn des Vertrages vergleichsweise hohe Kosten berechnet werden und spätere Entlastungen nur noch eingeschränkt wirksam werden.

Einige Versicherer verrechnen zusätzlich Überschussbeteiligungen mit den Beta-Kosten. Da Überschüsse jedoch jedes Jahr neu festgelegt werden und nicht garantiert sind, können diese künftig auch vollständig entfallen.

Im vorliegenden Angebot wurden Beta-Kosten in Höhe von 6,25 Prozent je Monatsbeitrag ermittelt.

Berechnung:

400 Euro × 6,25 % = 25 Euro
25 Euro × 12 Monate × 37 Jahre
zuzüglich der vereinbarten Dynamik

Ergebnis:

30.488,44 Euro Beta-Kosten über die gesamte Vertragslaufzeit.

(Ohne Berücksichtigung zukünftiger Beitragsänderungen oder zusätzlicher Einzahlungen.)

Gamma-Kosten

Gamma-Kosten werden als prozentualer Satz auf das jeweils vorhandene Vertragsguthaben berechnet. Gerade bei langen Laufzeiten zählen sie häufig zu den größten Kostenblöcken eines Versicherungsvertrages.

Auch diese Kosten gehören zu den Verwaltungskosten und werden in der Regel jährlich direkt dem Vertragsguthaben entnommen. Einige Versicherer berechnen sie stattdessen monatlich, weshalb der jeweilige Abrechnungsmodus genau geprüft werden sollte.

Da das Vertragsguthaben durch laufende Beiträge, Dynamiken, Zuzahlungen und Wertentwicklungen kontinuierlich wächst, steigt im Laufe der Zeit auch die Berechnungsgrundlage. Dadurch nehmen die absoluten Gamma-Kosten oftmals erheblich zu.

Im untersuchten Vertragsangebot beträgt der Gamma-Kostensatz 0,36 Prozent pro Jahr auf das jeweilige Vertragsguthaben.

Da die zukünftige Entwicklung des Vertragsguthabens nicht exakt vorhergesagt werden kann, lässt sich auch die tatsächliche Höhe dieser Kosten nicht genau bestimmen. Unter der Annahme einer gleichbleibenden Vertragsentwicklung ergibt sich jedoch folgende Schätzung:

37.137,88 Euro Gamma-Kosten über die gesamte Vertragslaufzeit.

(Annahme einer dauerhaft gleichbleibenden Überschussbeteiligung sowie ohne spätere Beitragsänderungen oder Zuzahlungen.)

Kappa-Kosten

Kappa-Kosten zählen ebenfalls zu den Verwaltungskosten und werden häufig auch als Stückkosten bezeichnet. Im Gegensatz zu den anderen Kostenarten handelt es sich hierbei um einen festen jährlichen Betrag, der unabhängig von Beitragshöhe oder Vertragsguthaben anfällt.

Nicht jeder Versicherer erhebt diese Kosten.

Im geprüften Angebot der ERGO Rente Chance konnten keine Kappa-Kosten festgestellt werden.

(Auszug aus den wesentlichen Anlegerinformationen des MEAG AktienSelect A.)

Neben den Kosten des Versicherungsvertrages fallen auch Kosten innerhalb der Kapitalanlage an. Dabei wird zwischen verschiedenen Kostenarten unterschieden.

Ausgabeaufschläge und Rücknahmeabschläge

Diese Kosten entstehen einmalig bei Einzahlungen beziehungsweise Auszahlungen und dienen häufig als Vergütung für Banken oder Anlageberater.

Je nach Produkt werden sie entweder direkt von der Anlagesumme einbehalten oder gesondert berechnet. Teilweise werden Ausgabeaufschläge rabattiert oder entfallen vollständig. Allerdings werden diese Vorteile nicht selten durch höhere laufende Fondskosten ausgeglichen, was sich insbesondere bei langen Laufzeiten negativ auswirken kann.

Bei fondsgebundenen Rentenversicherungen fallen Ausgabeauf- und Rücknahmeabschläge häufig nicht an und bleiben deshalb unberücksichtigt.

Laufende Kosten

Die laufenden Fondskosten werden von der Kapitalverwaltungsgesellschaft direkt dem Fondsvermögen entnommen. Änderungen dieser Kosten sind grundsätzlich möglich und erfolgen ohne vorherige Zustimmung der Anleger.

Informationen über die tatsächliche Höhe stehen meist erst nach Ablauf eines Geschäftsjahres zur Verfügung und müssen eigenständig recherchiert werden.

Wie bereits bei den Gamma-Kosten steigt durch das wachsende Fondsvermögen im Laufe der Jahre auch die Bemessungsgrundlage für diese Kosten. Laufende Beiträge, Dynamiken, Zuzahlungen und Wertsteigerungen führen somit regelmäßig zu steigenden absoluten Kosten.

Für den im Vertragsangebot verwendeten MEAG AktienSelect A weisen die Anlegerinformationen laufende Kosten von 1,55 Prozent pro Jahr auf das gesamte Fondsguthaben aus.

Da die zukünftige Fondsentwicklung nicht vorhersehbar ist, basiert unsere finanzmathematische Berechnung auf einer konstanten Entwicklung des Fonds sowie unveränderten laufenden Kosten.

Bei den nachfolgenden Einflussfaktoren handelt es sich nicht um klassische Gebühren, die direkt vom Vertrags- oder Fondsguthaben abgezogen werden. Dennoch wirken sie sich unmittelbar auf die erzielbare Rendite und damit auf den langfristigen Vermögensaufbau aus. Aus Gründen der besseren Verständlichkeit ordnen wir diese Faktoren den Kosten der Kapitalanlage zu.

Ähnlich wie die laufenden Fondskosten lassen sich auch diese Einflussgrößen nicht exakt für die Zukunft bestimmen. Sie hängen von der jeweiligen Anlagestrategie ab und werden auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse geschätzt. Zahlreiche Studien zeigen, dass verschiedene Faktoren die langfristige Wertentwicklung einer Kapitalanlage messbar beeinflussen können.

Für das uns vorliegende Angebot der ERGO Rente Chance mit der gewählten Anlagestrategie haben wir folgende renditemindernde Faktoren berücksichtigt:

Opportunitätskosten aufgrund möglicher Abweichungen von einer wissenschaftlich fundierten, evidenzbasierten Anlagestrategie*: durchschnittlich 0,70 % Renditeminderung pro Jahr
Transaktionskosten: durchschnittlich 0,50 % Renditeminderung pro Jahr
Auswirkungen der sogenannten Cash-Lock-Falle innerhalb der gewählten Anlagestrategie: durchschnittlich 0,19 % Renditeminderung pro Jahr

Eine ausführliche Erläuterung dieser sowie weiterer renditemindernder Einflussfaktoren finden Sie in unserem separaten Fachartikel zu diesem Thema.

* In den Literaturangaben am Ende dieses Beitrags finden Sie eine wissenschaftliche Studie, welche die Unterschiede zwischen klassischem Asset Management und evidenzbasiertem Investieren erläutert.

Das Ergebnis unserer Prüfung zur ERGO Rente Chance

Für die Auswertung des Vertrags haben wir ein finanzmathematisches Gutachten erstellt. Dieses zeigt sämtliche relevanten Einflussfaktoren über die gesamte Vertragslaufzeit transparent in Euro auf.

Kosten sowie weitere renditemindernde Faktoren beeinflussen die tatsächliche Rendite einer Geldanlage unmittelbar. In den Vertrags- und Angebotsunterlagen sind diese Belastungen häufig nur mit erheblichem Aufwand oder teilweise gar nicht nachvollziehbar dargestellt.

  • (1) Gesamtsumme aller eingezahlten Beiträge über die Vertragslaufzeit von 37 Jahren.
  • (2) Gesamtkosten der Kapitalanlage einschließlich der Fondskosten sowie aller berücksichtigten renditemindernden Einflussfaktoren.
  • (3) Gesamtkosten des Versicherers, die während der Vertragslaufzeit unmittelbar dem Vertrag belastet werden.
  • (4) Gesamte finanzielle Belastung des Vertrages über die vollständige Laufzeit.
  • (5) Voraussichtliches Brutto-Endkapital zum Ablauf des Vertrages.
  • (6) Voraussichtliche Netto-Kapitalauszahlung nach Berücksichtigung der angenommenen Besteuerung.
  • (7) Voraussichtliche monatliche Bruttorente zum Rentenbeginn.

(Ergebnisseite aus dem finanzmathematischen Gutachten)

Über die gesamte Vertragslaufzeit werden Beiträge in Höhe von 487.815,07 Euro eingezahlt.

Die auf Grundlage der Vertragsunterlagen ermittelten Kosten des Versicherers belaufen sich auf 78.464,76 Euro. Hinzu kommen Kosten der Kapitalanlage sowie weitere renditemindernde Faktoren in Höhe von insgesamt 307.714,66 Euro.

Unter den getroffenen Annahmen ergibt sich zum Vertragsende ein Brutto-Endkapital von 945.791,57 Euro.

Bei einer vollständigen Kapitalauszahlung fallen auf diesen Betrag Steuern an. Unter Berücksichtigung unserer steuerlichen Annahmen ergibt sich eine Steuerbelastung von 55.095,88 Euro, sodass eine voraussichtliche Nettoauszahlung von 890.695,70 Euro verbleibt.

Alternativ besteht die Möglichkeit, das vorhandene Vertragsguthaben in eine lebenslange Rentenzahlung umzuwandeln. Die Höhe der monatlichen Rente richtet sich nach dem vorhandenen Vertragsguthaben zum Rentenbeginn und dem garantierten Rentenfaktor.

Da Überschussrenten in den vergangenen Jahren von vielen Versicherern mehrfach reduziert wurden und nicht garantiert sind, basiert unsere Berechnung ausschließlich auf dem garantierten Rentenfaktor.

Für den vorliegenden Vertrag beträgt dieser 24,53 Euro je 10.000 Euro Vertragsguthaben.

Berechnung:

945.791,57 Euro ÷ 10.000 × 24,53 Euro
= 2.320,03 Euro monatliche Bruttorente

Unser Fazit zur ERGO Rente Chance

Auf den ersten Blick erscheint eine lebenslange Bruttorente von 2.320,03 Euro bei einer monatlichen Einzahlung von 400 Euro durchaus attraktiv. Auch das Verhältnis zwischen den insgesamt eingezahlten 487.815,07 Euro und einer prognostizierten Nettoauszahlung von 890.695,70 Euro vermittelt zunächst einen positiven Eindruck.

Für eine fundierte Beurteilung sollten jedoch weitere Aspekte berücksichtigt werden.

Entscheiden Sie sich mit 67 Jahren für die lebenslange Rentenzahlung anstelle der Kapitalauszahlung, müssten Sie die Rente über 357 Monate, also mehr als 34 Jahre, beziehen, um den Wert der möglichen Einmalzahlung zu erreichen. Wirtschaftlich würde sich die Rentenoption somit erst ab einem Alter von etwa 101 Jahren rechnen.

Darüber hinaus sollte die langfristige Auswirkung der Inflation berücksichtigt werden. Unterstellt man eine durchschnittliche Inflationsrate von zwei Prozent pro Jahr, reduziert sich die Kaufkraft einer monatlichen Bruttorente von 2.320,03 Euro innerhalb von 34 Jahren auf einen heutigen Gegenwert von lediglich 1.115,03 Euro.

Auch die Kapitalauszahlung bleibt von diesem Effekt nicht verschont. Unter derselben Inflationsannahme entspricht die prognostizierte Nettoauszahlung von 890.695,70 Euro einer heutigen Kaufkraft von nur noch 428.078,09 Euro.

Vergleicht man diesen Betrag mit den insgesamt eingezahlten 487.815,07 Euro, zeigt sich, dass selbst der Inflationsausgleich nicht vollständig erreicht wird. Ein nennenswerter realer Vermögenszuwachs ist unter diesen Annahmen daher nicht erkennbar.

Selbstverständlich betrifft der Kaufkraftverlust durch Inflation nicht ausschließlich die ERGO Rente Chance, sondern grundsätzlich jede langfristige Geldanlage. Dieser Effekt sollte daher bei jeder Altersvorsorgeplanung berücksichtigt werden.

Auffällig ist in diesem Beispiel insbesondere die gesamte Belastung aus Kosten und weiteren renditemindernden Faktoren. Nach unseren Berechnungen summiert sich diese auf 386.179,43 Euro und fällt damit im Verhältnis zum investierten Kapital vergleichsweise hoch aus.

Unsere Erfahrungen aus zahlreichen Vertragsanalysen zeigen, dass sich sowohl die Versicherungs- als auch die Anlagekosten in vielen Fällen deutlich reduzieren lassen. Dadurch kann bei gleicher monatlicher Sparleistung langfristig ein höheres Endkapital erzielt werden.

Individuelle Vertragsprüfung für Sie

Die Wirtschaftlichkeit einer Rentenversicherung hängt von zahlreichen Vertragsmerkmalen ab. Deshalb lässt sich die Qualität eines Vertrages nicht allein anhand des Tarifnamens beurteilen.

Ob die ERGO Rente Chance oder ein vergleichbarer Vertrag zu den eigenen finanziellen Zielen passt, kann nur anhand der individuellen Vertragsgestaltung bewertet werden. Unterschiede bei Kosten, Fonds, Dynamik, Laufzeit oder steuerlichen Rahmenbedingungen können das Ergebnis erheblich beeinflussen.

Aus diesem Grund empfiehlt sich eine objektive Analyse des konkreten Vertrags, um die tatsächlichen Chancen und möglichen Nachteile transparent beurteilen zu können.

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Literatur

Allgemeine Grundlagen für unsere Vertragsprüfungen:
Video: https://www.youtube.com/watch?v=jgGB6owAtfs&t=0s
Blogartikel: https://tappeconsulting.de/allgemeine-grundlagen-fur-unsere-vertragsprufungen/

Institut für Vermögensaufbau (IVA) AG (Dezember 2020): Evidenzbasiertes Investieren vs. Konventionelles Asset Management – Portfoliokonstruktion auf Basis der aktuellen Kapitalmarktforschung: Evidenzbasiertes Investieren vs. Konventionelles Asset Management

Mark Ortmann (2010): Versicherungswissenschaftliche Studien – Kostenvergleich von Altersvorsorgeprodukten

Michael Ritzau (2016): Die große Fondslüge – Falschberaten von Finanztest, Sparkassen, Banken & Co.

Andreas Hackethal and Simon Kaesler (March 2013): The Dark Side of ETFs and Index Funds

Dr. Gerd Kommer (März 2018): Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs: Wie Privatanleger das Spiel gegen die Finanzbranche gewinnen

Petersmann Institut (2017): III. Studie Transaktionskosten in Fonds
Institut für Vermögensaufbau (IVA) AG (Dezember 2017): Gesamtkosten von ETF – Studie zur Total Cost of Ownership (TCO) von Exchange Traded Funds in Deutschland und der Schweiz

The Dark Side of ETFs and Index Funds – März 2013: https://tappeconsulting.de/wp-content/uploads/2021/08/the-dark-side-of-etfs-and-index-funds-maerz-2013.pdf

Studie zur total cost of ownership: https://tappeconsulting.de/wp-content/uploads/2021/08/studie-zur-total-cost-of-ownership.pdf

Studie III-Transaktionskosten in Fonds Petersmann I.: https://tappeconsulting.de/wp-content/uploads/2021/08/Studie-III-Transaktionskosten-in-Fonds-Petersmann-I..pdf

Problem Mensch Darkside of ETF – Das Investment Punkt: https://tappeconsulting.de/wp-content/uploads/2021/08/problem-mensch-darkside-of-etf-das-investment-punkt-com.pdf

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